Meinesgleichen

Ein Fall von verliebter Unvereinbarkeit

Falter & Meinung | aus FALTER 28/10 vom 14.07.2010

Fußballmäßig habe ich mich, wie Ihnen gewiss schmerzlich aufgefallen ist, diesmal sehr zurückgehalten, um den Kapazundern von Seite 35 nicht ins Werk zu pfuschen. Aber einmal muss ich doch. Es geht erstens um die Wertung der besten Spieler. Besta is Iniesta! Das ist so klar, dass der kleine spanische Mittelfeldspieler in den Wertungen unserer Fachleute gar nicht vorkommt (vielleicht, weil er in der schönen Torgrafik so prominent aufscheint). Andrés Iniesta hat nicht nur das Finale entschieden. Mit seiner Technik bei der Ballannahme, seinen überragenden Tempodribblings, mit zum Teil so noch nicht gesehenen Tricks, mit seiner unglaublichen Übersicht und seinem Wahnsinnslaufpensum war und ist er Zentralbestandteil des Weltmeisters.

Punkt zwei meiner Beckmessereien betrifft Iker Casillas. Der spanische Torhüter steigerte sich im Turnier und spielte im Finale sein bestes Match. Fesch ist er sowieso, was einen unweigerlich zu seiner Freundin bringt, der ebenfalls feschen TV-Moderatorin Sara Carbonero. Carbonero und Casillas sind ein Paar, was die Moderatorin die ganze WM hindurch nicht daran hinderte, ihn zu interviewen. Im Übrigen war sie mit der Nationalflagge geschminkt – so was möchte ich bei Thomas König bitte nie sehen! Nach dem Finale küsste Casillas nach kurzem Zögern diese Interviewerin, die nur noch „Madre mia“ stammeln konnte. Die ganze Welt strahlt dazu. Ich nicht. Auch wenn’s charmant war, war’s doch ein flagranter Fall journalistischer Unvereinbarkeit.


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