Eine eitle Nervensäge namens Kapuscinski

Politik | aus FALTER 28/10 vom 14.07.2010

Die frühen Reportagen des Weltreporters Ryszard Kapuscinski sind ein Paradies für Ethnographen – und ein Zeugnis seiner Schwächen

Rezension: Julia Kospach

Die meisten der frühen polnischen Reportagen von Ryszard Kapuscinski (1932–2007) entstanden in den Jahren zwischen 1959 und 1962. In dieser Zeit wurden sie auch zum ersten Mal veröffentlicht, in der Wochenzeitschrift Polityka, für die Kapuscinski damals als Inlandsreporter schrieb. Später reiste Kapuscinski in die Welt, häufte im Lauf der Jahrzehnte Erlebnisse in entlegenen, oft wüsten und verwüsteten Weltgegenden in Südamerika, Asien und immer wieder Afrika an – und ebenso viel Ruhm.

Der Stil seiner Bücher galt als prägend für mehr als eine Reportergeneration nach ihm. Kapuscinski selbst ist 2007 gestorben. Im Frühjahr dieses Jahres hat eine Biografie seinem glänzenden Ruf als Jahrhundertreporter einige tiefe Kratzer verpasst und in Polen einen Skandal ausgelöst. In dem Buch „Kapuscinski – non fiction“ seines


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