Wieder gelesen

Bücher, entstaubt

Politik | Thomas Schmidinger | aus FALTER 28/10 vom 14.07.2010

Allahs Menschenwort

Am 5. Juli verstarb mit Nasr Hamid Abu Zaid einer der faszinierendsten Denker des modernen Islam. Grund genug, jene Schriften wieder zu lesen, die engstirnige Konservative in Ägypten dazu brachten, ihn zum Apostaten zu erklären und 1995 zwangsweise die Scheidung von seiner Frau, der Romanistikdozentin Ibtihal Yunis, durchzusetzen. Ins Exil vertrieben, stellte er jedoch weiter eine wichtige Stimme eines fortschrittlichen Islam dar. Auf Deutsch sind einige seiner wichtigsten Arbeiten unter dem programmatischen Titel „Gottes Menschenwort“ erschienen. Als gläubiger Muslim analysiert Abu Zaid den Koran als an Menschen gerichtetes Wort Gottes, bei dem auch Adressat und Kontext eine wichtige Rolle spielen. Als Literaturwissenschaftler und Gläubiger eröffnete er damit eine Sicht auf den Islam, die kritisches Denken und Religion nicht als unüberwindlichen Gegensatz begreift, sondern davon ausgeht, dass Gott den Menschen ihren Verstand gegeben hat, damit diese ihn auch einsetzen.

Nasr Hamid Abu Zaid: Gottes Menschenwort. 2009, Herder, 235 S., € 15,50


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