Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 28/10 vom 14.07.2010

Der Schönheitschirurg ist dein Therapeut, dein Sozialarbeiter, dein Priester. Er macht alles wieder gut, was in deiner schäbigen Existenz schiefläuft. So funktioniert das RTL2-Format „Extrem schön“ (Mo, 20.15 Uhr). Eine Doku-Soap über unattraktive Menschen, die die üblichen Schnippelformate harmlos wirken lässt. Da sieht man Frauen, denen die Zähne aus dem Mund faulen, mit Hängebrüsten und Fettschürzen; ihre Männer wollen sich scheiden lassen, ihre Kinder nicht mehr umarmt werden, weil die Mutti so schiach ist und nicht gut aus dem Mund riecht. Dann folgen mehrere Wochen mit Bauarbeiten am Körper, danach die glückliche Heimkehr – der Mann bleibt doch bei ihr. Dafür müssen sich die Patienten, vorwiegend Frauen, mit all ihren körperlichen Deformationen präsentieren: Schaut her, so hässlich bin ich! Das Unangenehme daran ist die Sozialpornonote. Außer White-Trash-Familien, die sich Schönheits-OPs nicht leisten können, wird in dieser Sendung nämlich niemand vorgeführt.


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