„Ich weiß immer weniger, was ein Gedicht ist“

Feuilleton | aus FALTER 28/10 vom 14.07.2010

Der Südtiroler Oswald Egger hat ein dickes und nahezu unverständliches Buch geschrieben. Warum?

Interview: Erich Klein

Wie macht ein Dichter auf sich aufmerksam? Oswald Egger nötigt seine Zuhörer: „Es ist wahr: Ich bin stark, ich habe Lunge und Arm, und ich atme.“ Die Rezitation aus seinem 740-seitigen Opus maximum „Die ganze Zeit“ in der Alten Schmiede bleibt nur kurz so einfach. Dann schwirren Ausdrücke wie „Horn-Stumpen verschmitzt, die aneinander klamm’perten“ oder „die gefitzten Glandern, die glanderten“ durch die Gegend.

Egger schreibt, spricht und rezitiert in einer dem Deutschen verwandten Sprache, mit artifiziellen Dunkelheiten, fremdartigen Betonungen und unverhohlenem Witz. Am Ende heißt es: „Ich war früher / ein Hund, / und nun ist / kein Hund da.“ Autor und Lesung waren symbolisch genug gewählt, um nach 30-jährigem Bestehen und etlichen tausend Lesungen den legendären Parterresaal in der Schönlaterngasse zu schließen. Die Alte Schmiede gibt es


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