Legendenumrankte Wohnbauoffensive

Feuilleton | aus FALTER 28/10 vom 14.07.2010

Die Schüler Otto Wagners bauten am Roten Wien mit, für das sie wenig übrig hatten

Ausstellungskritik: Jan Tabor

Ums Rote Wien ranken sich viele hartnäckige Legenden. Jene von der Wagner-Schule ist eine der beständigsten und vielschichtigsten. Sie besagt, dass das Großstadtprojekt Rotes Wien deshalb so erfolgreich gewesen sei, weil die Wagner-Schüler auf das riesenhafte Bauen besonders gut vorbereitet gewesen seien. Daran ist vieles wahr.

Zum Beispiel der Karl-Marx-Hof selbst: Das Wohnbauwerk ist fast ein Wahnbauwerk und mit 1350 Wohnungen eine kleine Stadt. Kein Problem für den wahren Wagner-Schüler Karl Ehn. Ganz hübsch hingekriegt, die gewaltigen Baumassen. Der Hof ist die gebaute Bestätigung einer These seines Namensgebers: „Es gilt jenen Punkt zu erreichen, in dem Quantität in Qualität umschlägt.“

Eine richtige linke Legende ist ein Gemisch aus Wahrheit und Halbwahrheit, Wissen und Halbwissen, Wirklichkeit und Wunschvorstellung. Das Rote Wien, diese wunderschöne austromarxistische


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