Stadtrand

Brunnenmarkt: Sollen sie doch Kuchen essen!

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 28/10 vom 14.07.2010

Wir wollen ja gar kein Zitronengras! Aber mitunter ist das Angebot am soeben umgestalteten Brunnenmarkt schon ein bisschen, naja, seltsam. Klar gibt es dort für Kittelschürzen und Büstenhalter ein Publikum. Ist ja auch kurios, und man kann darin vielleicht sogar Wassermelonen nach Hause tragen. Aber neulich hatten mindestens vier Stände auf Europas längstem Straßenmarkt Biskuitrouladen im Angebot. Das Kaufinteresse seitens der Bevölkerung hielt sich in Grenzen. Schon möglich, dass auf dem Weg von der Kuchenfabrik in die Supermärkte ein paar Kisten vom Sattelschlepper gefallen sind. Die Marktfrauen und -männer boten jedenfalls die eingeschweißte Industrieware feil wie etwas ganz Besonderes. Hätte gerade noch gefehlt, dass sie den Passanten kleine Häppchen in die Münder stopften. Vielleicht ist das ja auch der neue Stil auf der Brunnengasse. Am Naschmarkt beschmeißen sie einen schließlich auch mit Wasabinüssen, sollen sie in Ottakring doch trockenen Kuchen essen. Zumindest als kleine Anti-Hipness-Maßnahme wäre das begrüßenswert.


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