„Eine Infektionskrankheit wie jede andere“

Stadtleben | aus FALTER 28/10 vom 14.07.2010

Die Formel HIV – Aids – Tod gilt längst nicht mehr. Entwarnung? Der Wiener Mediziner Norbert Vetter erklärt aktuelle Therapieformen und warum alle ihren HIV-Status kennen sollten

Interview: Christopher Wurmdobler

Norbert Vetter interessiert nicht nur die Krankheit, sondern auch deren soziale Besonderheiten. Der erste Patient, der das Interesse des Mediziners am Thema Aids weckte, war ein Strichjunge. Der junge Mann lag Anfang der 80er-Jahre mit Tuberkulose auf seiner Station. Und weil in Wien die Baumgartner Höhe das zentrale Lungenkrankenhaus war und immer noch ist, kamen Patienten mit ungewöhnlichen Lungenerkrankungen hierher. Daraus entstand die HIV-Ambulanz im Otto-Wagner-Spital, das Vetter leitet.

Falter: Herr Primar, Anfang der 80er-Jahre war Aids die große Bedrohung. Die Krankheit führte damals rasch zum Tod. Seit wann gilt die Formel HIV – Aids – Tod nicht mehr?

Norbert Vetter: Bis Mitte der 90er-Jahre hatten wir eine verzweifelte Situation, weil man das Virus nicht effektiv


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