Das Leben geht auch nach der WM weiter. Aber wie?

Stadtleben | Daniel Nutz | aus FALTER 28/10 vom 14.07.2010

Fußballkulturen vermengen sich. Kraken wissen so viel wie Krankl. Zehn Erkenntnisse, die von der WM bleiben werden

1 Postmoderner Fußball lässt nationale Eigenheiten verschwinden. Catenaccio statt Samba-Ramba-Zamba bei Brasilien. Deutsche Gründlichkeit bei Holland. Große Verwirrung der Fußballkulturen.

2 Damit einher geht die Zertrümmerung der Sympathieschemata. Deutsche zeigten mitunter den schönsten Fußball. Die österreichischen Boulevard-Zeitungen versprachen es schon auf der Titelseite. Müssen wir den Deuutschen künftig immer die Daumen halten?

3 Fußball wird Staatssache. Sarkozy spricht zu seiner Equipe ein (vergebliches) Machtwort. Spanien beschwört nach dem Sieg die Einheit.

4 Kein Glanz der Stars wie Messi, Ronaldo oder Rooney. Das Individuum wurde in Südafrika zu Grabe getragen. Kommt jetzt womöglich die Renaissance des funktionellen Ostblock-Fußballs?

5 Einige Spieler ragten dennoch aus der Masse. Die Transferaktien von Müller, Özil, Di María, Altidore, Hamsik und Suárez zeigten die beste WM-Performance.

6 Die Vuvuzela ist seit „La Ola“ (1986) der innovativste Ausdruck von Fanbegeisterung. Die Tröte wird auch in Europa Einzug halten, sofern sie nicht rechtzeitig verboten wird.

7 Nicht nur auf Finanzmärkten, auch am Rasen kursiert die Angst. Nicht zu verlieren ist wichtiger geworden als zu gewinnen. Ein fußballevolutionärer Rückschritt.

8 Hans Krankl hat immer Recht: Schon vor der WM verkündet der Goleador: Spanien wird Weltmeister, weil es die besten Spieler hat. Wieso darf dieser Experte nicht mehr die heimische Nationalelf trainieren?

9 Weil Kraken heutzutage mindestens ebenso valide Ergebnisse liefern und Krankl Maradona für den besten Trainer der Welt hält – Erfolg hatten freilich jene Teams, deren Coaches über so etwas wie ein taktisches Konzept verfügten.

10 Südafrika stellte ein perfekt organisiertes Turnier auf die Beine. Ein schlagendes Argument für weitere (Sport-)Großveranstaltungen in Afrika.


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