Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 29/10 vom 21.07.2010

Zwei Dinge sind hilfreich im Journalismus: wenn man a) eine Arbeitshypothese hat und b) sich diese auch noch bewahrheitet oder c) diese zumindest auf interessante Weise nicht erfüllt wird. Läuft die Arbeitshypothese bloß ins Leere, muss man schon ein Loriot sein, um aus dieser Konstellation noch was machen zu können, indem man die geänderte Sachlage einfach zu ignorieren trachtet – wie man das aus dem Sketch „Der Astronaut“ kennt: „Also Sie waren bereits zweimal auf einer Mondumlaufbahn?“ „Nein.“ „Nicht. Aha. Also. äh … Aber schließlich sind Sie ja Astronaut, nicht wahr?“ „Nein.“

Ich erwähne das bloß, um a) diese Spalte zu füllen und b) mit meiner Problemlösungskompetenz anzugeben. Im Rahmen einer witterungsbedingt sehr schweißtreibenden Redaktionssitzung hielt man es neulich für eine pfiffige Idee, die Enthusiasmuskolumne mit einem Kühlung verheißenden Gemälde zu bespielen. Bei der Erfindung dieser Rubrik war nämlich die seitdem weitgehend unbestätigt gebliebene Arbeitshypothese aufgestellt worden, dass sich kanonisierte Kunstwerke ganz abseits des üblichen Aktualitäts- und Angesagtheitsgebrummes besonders gut für die Bespielung dieses neuen Formates eignen würden. Also wurde aus dem Arbeitskreis Achselschweiß der Vorschlag laut, ich möge mich ins Kunsthistorische Museum begeben und dort irgendwas Chilliges von Caspar David Friedrich anstarren – halt Eismeer oder so. Was soll man sagen? Geteilte Viertelbildung ist fast schon Halbbildung. Wenn das KHM etwas nicht hat, sind das Gemälde von CDF. Alles Weitere auf Seite 22.


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