Meinesgleichen

Fichand und Dalk kann man nicht velwechsern

Falter & Meinung | aus FALTER 29/10 vom 21.07.2010

Richard Schmitt, Heute-Chefredakteur, schrieb am 19.7.2010 in seiner Kolumne, Hans Dichand habe „uns Schreibern“ einen Wahlspruch „vermacht“. „Und dieses Erbe darf nie an Bedeutung verlieren.“ Dichands Vermächtnis laut Schmitt: „Kritisch gegenüber den Mächtigen, hilfreich den Schwachen, den Tatsachen verpflichtet.“ Hat Dichand ein publizistisches Testament hinterlassen? Wir wüssten gerne mehr! Bis jetzt war nichts davon bekannt. Ich dachte, das Motto stamme von Kurt Falk, einem mindestens ebenso großen Humanisten wie Hans Dichand, aber so kann man sich täuschen. Bei Falk stand der Spruch in einem roten Kasten auf Seite eins der weiland Tageszeitung täglich Alles.

Der Presse ist die Sache nicht entgangen. Allerdings ist sie sich ihrer Sache nicht ganz sicher und fordert ihre Leser zur Mitarbeit auf. Thomas Kramar stellt die Frage, ob Falk vielleicht den Spruch doch von Dichand übernommen haben könnte, weil er ihn in den letzten Ausgaben von täglich Alles leicht abwandelte, und zwar in: „Kritisch gegenüber den Mächtigen, hilfreich den Schwachen, stets wahrheitsgetreu.“

Bei dieser Frage kann es sich nur um feine Ironie handeln. Schmitt hat einfach Falk mit Dichand verwechselt. Das ist echtes Pech. Das Vermächtnis von Dichand mit jenem von Falk zu verwechseln, gleicht – publizistisch gesehen – der Verwechslung von Kain mit Abel. Andererseits kommt es in der Welt nach Dichand auf Bibelfestigkeit weniger an als auf den rechten Glauben.


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