Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 29/10 vom 21.07.2010

Leni Riefenstahl auf Meskalin – so kann man die Ästhetik der Eröffnung des Life Ball am besten beschreiben. Darstellermassen, durchorganisiert, in Triumphzügen auf kilometerlangen roten Teppichen, dazu Mädchen mit akkuraten ährenbestückten Haarkränzen. Ballerfinder Gery Keszler ist mit seinem Engagement einer von den Guten, keine Frage. Aber sein Größenwahnsinn in der Inszenierung des Charity-Events nimmt bedenkliche Formen an, da hat wohl jemand einen ordentlichen Ludwig-II.-Komplex. Der bayerische Exzentriker hatte ja auch eine Vorliebe für den Kitsch. Schade nur, dass solche überkandidelten Präsentationen samt Hollywoodstars, Wagner und Beethoven den Zuschauer nicht nur den Anlass des Balls fast vergessen lassen. Nein, das Theater soll anscheinend auch dazu dienen, dem „Homoball“ seinen schwulen Glamour zu nehmen und ihm eine staatstragende Attitüde zu verpassen. Jetzt hat Keszler genug geübt, jetzt kann er Frau Treichl-Stürgkh als Opernballmutti ablösen.


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