Stadtrand

Invasion der Ohrenstäbchen

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 29/10 vom 21.07.2010

Haben Sie, liebe Leser, eigentlich bemerkt, wie viele benutzte Ohrenstäbchen in dieser Stadt herumliegen? Setzen Sie sich doch einmal die Ohrenstäbchenbrille auf und gehen Sie durch die Stadt. Sie werden sie sehen. Zum einen in Hausfluren und Stiegenhäusern, wo sie offenbar unbeobachtet aus hinunterzutragenden Müllsäcken gleiten – doch warum ausgerechnet immer die Ohrenstäbchen? Zum anderen finden sie sich auf der Straße. Dort sind sie offenbar liegengebliebene Zeugen verzweifelter elterlicher Rotzpipn-Präventionsversuche bei Kleinkindern. Dramen müssen sich hier abgespielt haben! Und die Hinterlassenschaften verschmelzen, je länger sie liegen, mit dem sommerheißen Asphalt – oder noch besser: mit Straßenteer. Jahrtausende nach unserer Zeit werden Archäologen sie wohl mühselig freilegen und für Fossilien halten. Wimperntierchen oder so. Oder sie werden vermuten, dass eine spezielle Zwergpudelrasse mit Hair-Extensions in Wien Anno Domini 2010 besonders schick gewesen sei. Nur der echte Grund – der fällt ihnen garantiert nicht ein.


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