„ Grau ist die Gasse, öd und staubig“

Stadtleben | aus FALTER 29/10 vom 21.07.2010

Vom Umland in die Stadt, von Arbeiterheroen zu Multikulti-träumen – ein Sommer-spaziergang über die Ottakringer Straße

Text:Karl-Markus Gauss

Die Ottakringer Straße führt vom Gürtel, einem mehrspurigen Halbkreis, der die Stadt mit ihren inneren Bezirken lose umspannt, 2800 Meter hinaus aufs Land, zu den Hügeln des Wienerwalds. Sie durchquert dabei den sechzehnten Wiener Gemeindebezirk, der um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts noch ein Landstrich mit einem alten Dorf vor den Toren der Stadt war und danach, in der Ära der forcierten Industrialisierung, binnen einer Generation zur Arbeitervorstadt mit Fabriken und Zinskasernen wurde. 1870 hatten auf dem Gelände von Ottakring 30.000 Menschen gelebt, 1910 waren es im gleichnamigen Stadtbezirk sechsmal so viel, also fast 180.000.

„Grau ist die Gasse, öd und staubig. Die Häuser sind alle gleich; hoch, finster, still. Das Auge sieht hin und erkennt sofort: In dieser Gasse hat es noch keinen glücklichen Menschen gegeben; wenn Christus


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