Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 29/10 vom 21.07.2010

Träume und Birnen und Zwerge

Die Gehirne sind in diesen Tagen eine matschige Soße, einem riesigen Birnenkompott ähnlich, nur dass die Birnen warm sind und Erfrischung ein schöner Traum bleibt. Traum und Wirklichkeit sind nicht immer trennscharf zu bestimmen, so haben zum Beispiel mehrere ansonsten verlässliche Menschen in den letzten Wochen einen Riesen am Grazer Bahnhof zu sehen geglaubt, mindestens drei Meter groß. Kann nicht sein, der größte lebende Mensch hat 2,47 Meter und war nicht in Graz. Die größte Frau von Graz arbeitet beim Spar, ihre Größe bleibt aber zumeist versteckt, weil sie hinter der Kasse sitzt. Erst wenn man sie dann draußen trifft, wird sie auf einmal zur Erscheinung. Die Frage ist halt: Grüßt man seine Supermarktkassiererin, wenn man sie privat trifft? Im Zweifelsfall eher schon, meistens grüßt man sowieso, bevor man überhaupt weiß, wen, man muss das in Sekundenbruchteilen entscheiden, um nicht arrogant rüberzukommen. Oder noch komplexere Fragestellung: Man trifft einen Bettler, mit dem man täglich in Geschäftskontakt steht, auf dem Weg zur Arbeit, im Stadtpark. Man ist dann auf einmal wie Kollegen, für einen kurzen Moment. Auch Zwerge trifft man im Stadtpark, die aber sind immer bei der Arbeit, weil sie für ein neues Joghurt werben, das man kühl mit etwas Obst genießen sollte. Diese armen Kreaturen müssen Zipfelmützen tragen, was die Spar-Verkäuferin ja nur zu Weihnachten muss, wo es eh kalt ist.


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