Selbstversuch

Damit kann ich sehr gut leben

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 29/10 vom 21.07.2010

Ich glaube, es ist nicht meine Aufgabe im Leben, bei Kindern beliebt zu sein. Kinder, außer jetzt meine eigenen, lassen sich, wenn kein anderer da ist, von mir Brote und sich mit Sonnencreme einschmieren. Aber grundsätzlich misstrauen sie mir eher, und als ich die Kroatien-WG beim Abendessen darüber informiere, dass ich jedem, der noch einmal in mein Boot schifft, einen Knoten in den Schniedel mache, kann man den männlichen Kindern ansehen, dass sie sich überlegen, ob mir das wirklich zuzutrauen ist, und das Resultat ist ganz offensichtlich kein eindeutiges Nein. Gut. Ich kann saugut damit leben, dass Kinder, jetzt außer meine eigenen, eine gewisse Distanz zu mir einhalten, speziell im Urlaub.

Ansonsten war dieser Kroatien-Urlaub wie der letzte Kroatien-Urlaub, minus den Kochkrisen, früher immer dadurch entstanden, dass einer ehrgeizig gekocht hat und ein anderer rücksichtslos querkochte, das geht natürlich nicht gut. Querkochen ist wie Quererziehen eines der großen No-nos in gemeinsamen Urlauben, so viel haben wir in den letzten Jahren gelernt. Es war also wie letztes und vorletztes Jahr, nur harmonischer. Man kann einfach die Urlaubsbilder vom letzten Jahr nehmen, alles exakt gleich, nur die Kinder fünf bis zehn Zentimeter größer und mehr davon: Heuer saßen bei den Abendessen nie weniger als 13 Leute am Tisch, manchmal 16, wenn die Ratzingers (no relation), die zwei Häuser weiter wohnten, bei uns gegessen haben, mit dem drei Monate alten Baby, das recht ausdauernd brüllen kann. Und, ach ja, Säuglinge kann ich: Die Griffe und das Säuglingsberuhigungsmantra habe ich noch immer drauf, das ist wie Radfahren, verlernt man nicht.

Aber das Baby von den Ratzingers habe auch ich nicht kusch gekriegt, das Baby von den Ratzingers hat die eigene Mutter kaum kusch gekriegt, was auf die anderen Gäste im Fischrestaurant keinen durchwegs positiven Effekt hatte. Und ich muss sagen, dass mich das auch ein Alzerl nervös gemacht hat, obwohl ich den Ratzingers gesagt habe, dass man die Schreiphase erhobenen Hauptes und mit viel Selbstbewusstsein, ja einer gewissen Arroganz durchstehen müsse, denn man päppelt hier aufopfernd einen Steuerzahler, Pensionssystemerhalter und künftigen Touristen groß, von dem der Wirt, die Region und damit praktisch alle Gäste dieses Restaurants irgendwie profitieren, und zwar auch der Gast, der sich dann tatsächlich die Ohren zuhielt.

Was der Ratzinger, vom Geschrei seines Babys etwas aufgewühlt, dann allerdings tatsächlich so beleidigend fand, dass er dem eine runterhauen wollte, aber das Baby schlief eben noch rechtzeitig ein. Kann aber sein, dass das Baby auch etwas aufgewühlt war, weil ich es ein Viertelstündchen gehutscht hatte, das lasse ich nächstes Mal lieber.

Ich glaube, das Leben hat anderes für mich vorgesehen, als Kinder glücklich zu machen. Jetzt außer meine eigenen natürlich.


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