Kritik

Legenden urbaner Leidenschaft

Lexikon | aus FALTER 29/10 vom 21.07.2010

Nicht zuletzt durch den Film von Julian Schnabel wurde der New Yorker Künstler Basquiat im populären Bewusstsein verankert. Während in Basel eine große Retrospektive über den kometenhaft aufgestiegenen Malerstar der 80er-Jahre läuft, präsentiert ihn die Kunsthalle als großen Namen ihrer Schau „Street and Studio. From Basquiat to Séripop“. Um 1978 kam Basquiat mit Graffiti in Kontakt und begann selbst Häuserwände zu markieren. Dass er sein mit einer Krone gekennzeichnetes Tag „Samo“ hinterließ, spricht für seine baldige Orientierung auf die Kunstwelt.

Die Basquiat-Gemälde in der Kunsthalle setzt mit 1981 ein, also nach seiner Outdoorkarriere. Die teils auf Holztüren gemalten Bilder lassen zumindest erahnen, dass dem nur 27-jährig verstorbenen Künstler jeder Untergrund recht war. Die Ausstellung hat den Anspruch, Basquiat mit zeitgenössischen Positionen zu präsentieren, und wer wäre da bekannter als der auf der Künstlerliste vermerkte Banksy? Wer jedoch die berühmten Schablonengraffiti des bis heute anonymen – und in dieser Hinsicht ‚radikaleren‘ – Street Artist aus England sucht, wird im letzten Eck und nur spärlich fündig. Zwischen den zwei berühmten ‚Bs‘ liegt eine Menge an Arbeiten, deren Relevanz für diese Schau schwer ersichtlich ist. Freilich, das „Studio“ im Titel hat den Kuratoren eine Hintertür offen gelassen, aber leider wird gerade die Spannung zwischen (vermeintlich) subversiv-authentischer Manifestation im öffentlichen Raum und dem in der Galerie gezähmten Verkaufsobjekt nicht zum Thema. Künstler wie der frühe Schablonensprayer Blek le Rat sowie die Zeitgenossen Brad Downey, Shaun Gladwell und Christian Eisenberger machen die unübersichtliche Ausstellung trotzdem sehenswert, vor allem lohnt der Doppelpack mit der Schau „Keith Haring“. NS

Kunsthalle Wien, bis 10.10.


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