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Ausstellung Edmund Wolf: ein Filmreporter aus Wien

Lexikon | aus FALTER 30/10 vom 28.07.2010

Edmund Wolf war Theaterautor, Dramaturg, Journalist und Filmemacher. Anlässlich seines Geburtstags, der sich heuer zum 100. Mal jährte, stellt die Exilbibliothek im Literaturhaus Wien sein umfangreiches Werk in der Ausstellung "Edmund Wolf: ‚Ich spreche hier nicht von mir‘“ erstmals vor.

1910 im Rzeszów (Galizien) geboren, wuchs Wolf nach dem Ersten Weltkrieg in Wien auf und studierte zunächst Jura. Danach inskribierte er am Reinhardt-Seminar, wurde Lustspielautor und Dramaturg am Volkstheater. 1937 ging er aus beruflichen Gründen nach London und kehrte nach dem "Anschluss“ nicht mehr zurück. 1940 wurde er von den Briten als feindlicher Ausländer ("enemy alien“) verhaftet und eineinhalb Jahre in Kanada interniert. Nach seiner Entlassung begann Wolf als Journalist für das "German Service“ der BBC zu arbeiten und berichtete ab Ende der 50er-Jahre für Die Zeit und die Süddeutsche als Korrespondent, ehe er sich 1963 dem Filmemachen verschrieb und für den Bayerischen Rundfunk mehr als 60 außergewöhnliche Dokumentarfeatures herstellte: darunter Filme über die Jugendkultur im Swinging London, über den Krieg in Vietnam, über Israel oder über die Unabhängigkeitsbestrebungen der afrikanischen Staaten.

Neben zahlreichen Beispielen aus Wolfs literarischem und journalistischem Schaffen präsentiert die Schau auch Recherchematerialien aus Wolfs Nachlass: etwa das umfangreiche Archiv zum Projekt "Hitler und die Generale“ – das 1986/87 von Michael Kehlmann als Zweiteiler fürs Fernsehen realisiert wurde. Ergänzend zur Ausstellung haben die Kuratorinnen Ursula Seeber (Österreichische Exilbibliothek) und Barbara Weidle (Verlegerin, Bonn) ein Buch gleichen Titels mit Texten von bzw. über den Jubilar "Mundi“ Wolf herausgegeben. MO

Literaturhaus Wien, bis 16.9. (Eintritt frei)


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