Ohren auf

Melancholie, langweilig wird sie nie

Sammelkritik

Lexikon | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 30/10 vom 28.07.2010

Er könnte ein entfernter Verwandter von Konstantin Gropper sein. Wo Letzterer seine Melancholie unter dem Namen Get Well Soon auf virtuose Weise auslebt und zuletzt mit "Vexations“ ein "Konzeptalbum über den Stoizismus“ vorlegte, da verpackt Norman Palm die seine in einfache, repetitive, aber kaum weniger eindringliche Songs. "Shore to Shore“ (City Slang), das zweite Album des Kunstschulabsolventen, balanciert leichtfüßig auf der Grenze zwischen süßer Sehnsucht und Schwermut, zwischen akustischem Instrumentarium und Synthesizern, leisen Memphis-Anklängen und Indiedisco-tauglichem Material. Das ist schön.

Ihren Stil gefunden haben School of Seven Bells auf ihrem zweiten Album "Disconnect From Desire“ (Full Time Hobby). Benjamin Curtis hat bis 2007 die Gitarre bei den Rockern Secret Machines gewürgt. Im Trio mit den Sanges-Zwillingsschwestern Claudia und Alejandra Deheza lässt er sie unter Zuhilfenahme von Keyboards und tanzbaren Rhythmen aus der New-Order-Schule zu einem bittersüßen Wall of Sound zerfließen. Auch schön.

Dass Stilsicherheit nicht notwendigerweise eine gute Sache sein muss, macht das neue Werk der kanadischen Pathos-Indiepopper Stars deutlich. Ach, wie schön klang einst der Wechselgesang von Torquil Campbell und Amy Millan; nun aber macht sich auf "Five Ghosts“ (Soft Revolution) Routine breit. Die meisten Songs klingen irgendwie gleich und leider auch etwas leidenschaftslos.

Wider Erwarten besser hören sich Tired Pony an, so etwas wie der Freizeitspaß von Snow-Patrol-Frontman Gary Lightbody. Um seinen Traum von einem Countryalbum zu realisieren, hat er berühmte Freunde (Peter Buck, Jacknife Lee, Richard Colburn, Zooey Deschanel) um sich geschart. "The Place We Ran From“ (Fiction) ist zwar keine Countryplatte geworden, aber doch ein stimmiges, durchwegs unpeinliches Mainstream-Folkrockalbum ohne falschen Kitsch. Für Lightbody läuft das Unterfangen Tired Pony wohl unter Urlaub von der Stammformation.

Norman Palm live: am 20.9. im Chelsea


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