Theater Kritik

Aberwitz, der über Almenwiesen flitzt

Steiermark | aus FALTER 30/10 vom 28.07.2010

Eigentlich hatte sich die regionale10 eine "Familienaufstellung“ des Bezirks Liezen mit all seinen Mikroidentitäten gewünscht. Doch der Performance-Nomade Robert Steijn (United Sorry) und das Grazer Theater im Bahnhof haben für ihren "fragilen Heimatabend“ einen anderen Weg gewählt, einen weniger "arroganten“, wie sie selbst am Anfang des Stücks erklären. Tatsächlich wurde "Sprich mit ihm“, das in entlegenen Wirtshäusern und Hütten der Region gezeigt wird, eine aberwitzige Systemaufstellung, eine, die tatsächlich fast ohne Hierarchien auskommt. Es gibt keinen zentralen "Aufstellenden“ oder "Bedeutenden“, der dem Publikum die Welt erklärte, allenfalls steht Steijn als abstrakter "Fels“ inmitten der Brandung der Assoziationen, Fragen und Interventionen, die von den anderen Spielern in den Raum gestellt werden.

Um Heimat geht es in den fast zu dicht aufeinander folgenden Liedern, Texten und Tänzen, um die Möglichkeit von Begegnungen, um Mensch, Natur und Kunst. Über einen einfachen "Volkstanz“ wird das Publikum dabei gleich zu Beginn so klug in das zwischen Alltag und Abstraktion changierende Spiel einbezogen, dass es später eine Jodel- respektive Yogaeinlage mit ebenso viel Begeisterung aufnimmt wie ein kollektives "Reenactment“ von Trisha Browns Tanzklassiker "Accumulation“, eine an slowenische Avantgarde-Traditionen erinnernde menschliche Berggipfelskulptur oder eine schamanistische Flitzer-Intervention von Ed Hauswirth. Fast jeder Schritt der Performance wird vorab kurz erklärt, was aber zugleich die "Bühnenschwelle“ derart absenkt, dass sich das Publikum zu launigen Zwischenrufen hinreißen lässt. Anstatt aufzupassen! Darf Vermittlung wirklich so weit gehen? TW

Hauser Kaibling, Bergstation, Mi 20.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige