Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 30/10 vom 28.07.2010

Die einen nehmen Pflegeurlaub, weil ihr iPhone auf den Kopf gefallen ist, die anderen ziehen sich aufs Land zurück, um großformatige Wachsmalkreide-Grattagen von Mostbirnbäumen anzufertigen. Was Ingrid Brodnig und Christopher Wurmdobler während ihrer Zwangsbeurlaubung tatsächlich tun, überlasse ich – honi soit qui mal y pense – der blühenden Fantasie des Lesers. Sie werden in ihrer Abwesenheit jedenfalls würdig vertreten. Armin Thurnher vertritt Ingrid Brodnig auf dem Gebiet des anthropomorphisierenden Umgangs mit zeitgeistiger Kommunikationstechnologie und streichelt sein Test-iPad, und ich sorge dafür, dass genug Kappen und andere Kopfbedeckungen in die Redaktion getragen werden. Und sollte es, wovor Gott abhüten möge, noch einmal richtig heiß werden, könnte ich sogar dem Ausschnitt von Wurmdoblers berüchtigtem Deep-V-T-Shirt Konkurrenz machen („Wurme, I’ll out-vee thee!“).

Oft ist es ja so, dass die Macht durch Abwesenheit gesteigert wird. Just in dem Moment, in dem Brodnig ihrem iPhone heiße Zwiebelfleck auf die Tastatur klatscht, geht diese Kolumne auf Facebook. Man kann sie also fragen, ob sie jemandes Freund sein will. Es wird allerdings ausgehen wie in „Little Britain“: „The column says:, No!‘“ Und Thurnher ist – analog zu Konrad Lorenz’ fragwürdiger These von der „Verhausschweinung des Menschen“ – akut von der „Vermeerschweinung“ bedroht, die nichts mit dem holländischen Maler des 17. Jahrhunderts, der „Sphinx von Delft“, sondern mit kritikloser 2.0-Affirmation zu tun hat, für die die gemeine Meersau bekannt ist.


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