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Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 30/10 vom 28.07.2010

Leidenfrosts Gespür für Europa

Der österreichische Journalist und Schriftsteller, der Lebe- und Kopfmensch Martin Leidenfrost ist eine kuriose Erscheinung. Und ebenso kurios, ebenso launig und rastlos, testosterongetränkt und alltagswahr wie er sind seine EU-Kolumnen geraten, die nun unter dem Titel „Brüssel Zartherb“ erschienen sind. Es ist gleichermaßen zum Lachen und Grübeln, wie Leidenfrost couchsurfend albanischen Dealern und charakterentleerten Lobbyisten begegnet, wie er die sympathische Apparatschikhaftigkeit der Eurokraten vermisst und bulgarischen Damen mit der Frage „Warum kommen so viele Brüsseler Prostituierte aus Sliven?“ bis in ihr Heimatdorf nachspürt. En passant produziert der Autor kurzweilige Berichte über die Schattengesellschaften der EU, die zu beschreiben es Brüssel-Korrespondenten bislang an Zeit und vor allem an Leidenfrosts Gespür fehlte.

Stefan Apfl

Martin Leidenfrost: Brüssel Zartherb. Picus, 240 S., € 19,90

Yin und Yang der Minderheiten

Das klassisch rote UTB-Cover, oft ein Vorbote schwerer wissenschaftlicher Kost, trügt in diesem Fall: Die beiden Autoren werden ihrer selbst formulierten „anmaßenden Hoffnung“, ein kurzweiliges Buch zu schreiben, tatsächlich gerecht. In „ABC des Minderheitenschutzes in Europa“ geben sie mit 26 kurzen Artikeln eine Übersicht über die wichtigsten Themen der Migrations- und Minderheitenpolitik im deutschen Sprachraum. So finden etwa die Kärntner Ortstafeln unter „C“ wie „Case Studies“ ihren Platz, während das Thema Islam unter „K“ wie „Kopftuch“ abgehandelt wird. Einzig beim Y mussten sich die Autoren eines kleinen Kunstgriffs bedienen: „Yin und Yang des Minderheitenschutzes.“

Michael Weiss

Gabriel N. Toggenburg, Günther Rautz: ABC des Minderheitenschutzes in Europa. UTB, 342 S., € 25,60


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