Mediaforschung

Was macht Androsch mit Laptop in der Barke, Herr Prantner?

Nachfragekolumne

Medien | Martina Powell | aus FALTER 30/10 vom 28.07.2010

Was treibt ein österreichischer Industrieller in der Krachledernen im Boot auf dem Altausseer See? Fischen vielleicht? Zehen ins Wasser hängen? Selbstfindung? Falsch. Hannes Androsch, Laptop auf dem Schoß, surft im Internet. Denn schließlich – so lautet zumindest die Botschaft der jüngsten ORF-Sujets in Print und Online – könne man mithilfe der TV-Thek fernsehen, wo und wann immer man will. Und sei es beim Schifferlfahren auf dem See.

Um die prominente Besetzung hat sich Thomas Prantner, ORF-Direktor für Online und neue Medien, wie er sagt, persönlich gekümmert. So fixieren neben Androsch, dessen Blick auf den Werbefotos eine gewisse Ratlosigkeit ausdrückt, auch Museumsdirektorin Sabine Haag, Fußballlegende Ivica Vastic, Schauspielerin Franziska Weisz und Böhler-Uddeholm Manager Claus Raidl die Bildschirme ihrer Computer. „Alles Prominente, die viel arbeiten, viel unterwegs sind und auch die TV-Thek oft nutzen, um verpasste Sendungen zu sehen“, erklärt Prantner. Über Androschs Bootsausflug im Salzkammergut müsse man sich also nicht wundern. Im Gegenteil: Die Szene sei zwar überzeichnet, aber im Großen und Ganzen „sehr authentisch“. Schließlich verbringe Androsch den Großteil seiner Freizeit im Feriendomizil in Altaussee.

Auf die Idee ist der ORF-Direktor vor zwei Jahren gemeinsam mit „Peach“-Agenturchefin Birgit Vollmeier gekommen. Ausgangspunkt war ein Foto von Josef Pröll in einer Zeitung: Es zeigte den Vizekanzler, wie er auf der ORF-Website surfte. Über die Bezahlung der fünf Prominenten will Prantner übrigens nicht sprechen. Hannes Androsch wiederum war für diesen Artikel nicht erreichbar: Er weilte nämlich zu diesem Zeitpunkt gerade in China. Ob er auch dort die ORF-TV-Thek in Lederhosen studiert, ist nicht bekannt.


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