Das Ferienlager der Avantgarde

Feuilleton | aus FALTER 30/10 vom 28.07.2010

Thomas Schäfer, der neue Chef der Darmstädter Ferienkurse, im Gespräch über alte Kämpfe und neue Wege in der musikalischen Avantgarde

Interview: Carsten Fastner

Es gibt nicht viele Städte, die für die Musikgeschichte von so zentraler Bedeutung waren, dass sie einer ganzen Schule oder ästhetischen Richtung ihren Namen liehen. Im 20. Jahrhundert finden sich gar nur zwei solcher Kristallisationspunkte: Wien, wo ab 1904 ein Kreis junger Spätromantiker um Arnold Schönberg eine neue Kompositionstechnik mit „zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen“ entwickelte. Ihr Ende fand diese Wiener Schule mit dem Einmarsch der Nazis – und nach dem Krieg eine inhaltliche Fortsetzung in Darmstadt.

Ausgerechnet Darmstadt. Es lag wohl auch am Geist der Dezentralisierung in der Bundesrepublik, dass just ein Ort fern aller Kulturmetropolen zum Zentrum der Nachkriegsmusik wurde. Schon ab 1946 trafen sich hier Komponisten, Interpreten und Musikwissenschaftler, um in sommerlichen Ferienkursen das kennenzulernen,


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