Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 30/10 vom 28.07.2010

Starr steht der Hase vor dem Ei

Ab Juni 2010 gibt es Stresstests in Judenburg für 200 Euro. Der Kampf gegen Burn-out und Stress ist wichtig für den Wirtschaftsstandort: Wer sich nicht entspannen kann, trifft falsche Entscheidungen, zum Beispiel ungarische Eier kaufen, umetikettieren und mit AMA-Gütesiegel verkaufen, nur um den angeschlagenen Betrieb wieder auf Vordermann zu bringen. Gut gegen Stress sind Hobbys wie Haustiere, die man dann aber auch angemessen halten sollte, zum Beispiel eine Boa Constrictor nicht bei offener Balkontüre in Liebenau allein in der Wohnung lassen. Der gestresste Besitzer versucht zu beruhigen: Im Freien kann so eine Boa recht schnell sein, so 20 bis 30 Meter in zwei Minuten. Sie kann jetzt auch schon in Gössendorf sein. Sie hat aber den Hasen noch gefressen und ist daher nicht hungrig, für die nächsten sechs Wochen zumindest. Das Erfolgsgeheimnis der Boa ist ja nicht ihre Schnelligkeit, sondern ihre Fähigkeit, die Opfer – zum Beispiel Kaninchen – so in Stress zu versetzen, dass die sich nicht mehr bewegen. Das machen übrigens auch Hasenhalter gern, wenn sie ihre Tiere streicheln, nur merken sie das nicht und freuen sich, dass das Tier so schön still hält, und fühlen sich gleich weniger gestresst. Die Hasen sterben dafür früher, was aber für die Wirtschaft nicht schlimm ist, da sie nicht systemrelevant sind, im Gegensatz zu Österreichs Großbanken, die beim großen Stresstest ganz gut abgeschnitten haben.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige