Phettbergs Predigtdienst

Das pochende Herz des Kanaris

Kolumnen | aus FALTER 30/10 vom 28.07.2010

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Alle erdichten sich jetzt einen Roman, aber mein Lügen ist äußerst dünnbeinig. So halt ich denn mein Predigtdiensten als Roman. Und wenn der letzte sich an mich Erinnernde verstorben sein wird, bin auch ich weg. Total weg. Spuren wie Mozart schaff ich nie. Eine ewige Sehnsucht an Sein.

Letzte Woche wollte ich in Renates Dachgarten den 900. Predigtdienst feiern, doch nach ihrer Nummerierung wäre es bereits Nummer 920!? Wie in allen Konzilien wird über die richtige Nummerierung diskutiert. Meditieren Sie Kirchengeschichte, Duhsub, und betrachten Sie „Hundert Hennen“! Da hatte ich noch alle Gewalt der Nummerierung, doch nun überlass ich es der Forschung. Renate sammelt alles über mich und von mir! Ich bin ihr Hobby. Wir beide gäben ein ideales Frau-Mann-Pärchen!

Am Weg begegnete uns ein Kanarienvogel! Renate sprang aus dem Wagen, als sie den Vogel herumhopsen sah! Es entstand ein Stau, denn Renate musste sich zuerst ein Tuch holen, um das Tier einzufangen. Als ich das Tuch kurz festhalten durfte, konnte ich Minuten das Pochen des Herzens spüren. Renate war befreundet mit dem „Rendezvous mit Tier und Mensch“-Moderator Otto Koenig: Von ihm hat sie gelernt, wie Mensch & Tier gehalten werden mögen. Sie kaufte Futter, das Hirse und Leinsaat enthält, was auch ich täglich frühstücke, damit auch meine „Federn“ fesch blieben! Schon lange vor meinen Hirnschlägen begann ich mit „Dr. Böhm Haut-Haare-Nägel“! So begann die Geschäftsbeziehung mit der Aegidi-Apotheke. Und als der Kanarienvogel Wasser und Kanarienfutter kriegte, bettelte auch ich um jene Körner. So schauen wir alles voneinander ab. Es gab Augenblicke, wo wir beide befriedigt fraßen! Dazu Finnenbrot mit Liptauer, Paradeiser, Rettich, Karotten und Ingwer. Renate aß erst, nachdem sie mich wieder nach Hause gebracht hatte, doch zuerst kamen der Kanarienvogel und ich. Ich schäme mich!

Tags darauf wollte Ö1 ein leibhaftiges Interview mit mir führen. Wieso ich denke, dass ich allein sei und warum ich einer der Allerwenigsten wäre, die sich darüber interviewen ließen? Ich konnte nur radebrechen ... Hat sich nun der Fuchs in den Schwanz gebissen? Wäre mein Gestionieren ins Ö1-Fleisch geraten?

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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