Fragen Sie Frau Andrea

Partytime und Bier im Bad

Kolumnen | aus FALTER 30/10 vom 28.07.2010

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

wieso sagt man eigentlich, dass alle immer in der Küche seien bei Partys? Meine Erfahrung lehrt mich, dass bei Wiener Altbauwohnungspartys die meisten Menschen sich im Badezimmer versammeln. Dort gibt es nämlich eine Badewanne voll Hochquellwasser und Bierflaschen ohne Etikett. Allerdings ist das Bier nicht wirklich gut gekühlt. Wie kalt kommt das Wasser denn in Wien aus der Leitung? Erwärmt es sich binnen Sekunden? Und wie kann man Bier besser kühlen?

Ihr durstiger Partytiger Paul Herzog, Währing, per Elektro-Post

Lieber Paul,

jahrzehntelange Erfahrung auf Wiener Partys, in allen Bezirken, Kategorien und Gesellschaftsschichten lässt mich differenziertere Schlüsse ziehen: Mit fortschreitender Partydauer verlagert sich das Geschehen von den Wohnzimmern in die Küche und in die dort mündenden Gänge. Küchen werden wegen ihrer geringeren Größe als Kommunikationsorte bevorzugt. Gänge sind beliebt, weil die meisten Menschen gerne eine Wand in ihrem Rücken haben. Badezimmer werden, wie Sie ganz richtig konstatieren, wegen der dort eingelagerten Bitterschaumgetränke aufgesucht.

Nach meiner Expertise eignen sich nasskalte Badewannenränder nicht wirklich für négociations de haut niveau. Man schnappt sich einen glitschigen Bierfisch und geht, so man über kein Stahlgebiss verfügt, den Öffner suchen. Oder jemand, der Kronkorken mit dem Feuerzeug aushebeln kann.

Zur Frage der Partybierkühlung kann ich Brauchbares beisteuern. Außer in Erdberg und Bezirken, die mit Zweier beginnen, dürfen Sie sich darauf verlassen, ausschließlich Trinkwasser aus einer der beiden Wiener Hochquellwasserleitungen zu zapfen. Es sprudelt mit sechs Grad aus seinen obersteirischen Quellen und kommt nach langem Fließen immerhin noch mit kühlen acht aus dem Hahn. Eine ideale Temperatur für Bier. Warme Hände und laues Bier vom Pennymarkt bringen allerdings Wärme in die Wanne. Es empfiehlt sich, das Wasser mit einigen Kilos Salz und nicht wenig Würfeleis aus dem Gastrobedarf zu kühlen.

Theoretisch könnten Sie so sogar Minustemperaturen herstellen. Für praktikabler hielte ich es, die Badewanne zum Fließgewässer umzufunktionieren. Das wäre alte Schule.


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