Impulstanz Tipp

DD Dorvillier geht dem Verstehen von Tanz nach

Lexikon | aus FALTER 31/10 vom 04.08.2010

DD Dorvillier und ihr human future dance corps, darunter die in Österreich lebende Chilenin Amanda Piña, widmen ihr Stück der Frage aller Fragen von „Konsumenten“ zeitgenössischer Tanzkunst: „Und was, bitte schön, hatte das jetzt zu bedeuten?“ In „Choreography, a Prologue for the Apocalypse of Understanding, Get Ready!“ versucht die New Yorker Choreografin dem Publikum klarzumachen, wie alles, was man sieht, hört oder liest vor dem eigentlichen Verstehen einem Interpretationsprozess unterliegt. Denn Dorvillier ist zwar unterhaltend, aber es fehlt ihren Stücken auch nie an intellektuellen Stimuli. In drei voneinander abgegrenzten Teilen werden die Möglichkeiten objektiven Begreifens gegen ein auf persönlichen Erfahrungen beruhendes Verständnis abgewogen. Dabei wird auf unterschiedliche Weise kommuniziert, wodurch es gelingt, humorvoll Wahrnehmungshierarchien zu durchbrechen.

Im zweiten Teil, einem Duett Dorvillers mit Joaquin Pujol, packt sie die leicht naive Südstaatenschönheit, die jede ihrer Bewegungen bespricht und von ihrem Partner ins Spanische übersetzen lässt, aus, während der dritte Teil wie eine Hommage an die 80er-Jahre erscheint, aber das ist wahrscheinlich auch wieder so eine Interpretationsfalle! Zeena Parkins steuert sanfte Livemusik bei, und das abwechslungsreiche Lichtdesign, das in einer Einstellung sogar jede Tänzerin in einem Spot in der Farbe ihres einfärbigen Catsuits erscheinen lässt, kommt von Thomas Dunn. In The Village Voice schreibt die berühmte New Yorker Tanzkritikerin Deborah Jowitt: „Ich verlasse die Vorstellung nicht so sehr mit dem Gefühl, dass ich jetzt jede von Dorvilliers Stategien verstanden habe, aber dass mein Verstehen auf eine unterhaltsame Probe gestellt und mit ein bisschen Spucke und Lack aufpoliert wurde.“ bh

Museumsquartier, Halle G, So, Di, 21.00


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