Kritik

Memento mori in Adidas

Lexikon | aus FALTER 31/10 vom 04.08.2010

O dark dark dark. We all go into the dark“, verkündet der Mann, der in der Galerie Kargl auf einem Berg zertrümmerter Kunsttransportskisten steht. Mit Schild bewehrte Polizisten bilden einen Kreis um diesen jungen Propheten. Die jüngste Videoinstallation von Muntean/Rosenblum ruft die Schollen in Caspar David Friedrichs berühmtem Bild „Eismeer“ wach. Was es mit der Dunkelheit in der apokalyptischen Rede auf sich hat, bleibt so diffus, wie die Untertitel der gezeigten Gemälde. Pessimismus angesichts der Globalisierung? Angst vor einem Kunstmarktcrash? Nur so viel wird klar: Es steht nicht gut um die feschen jugendlichen Protagonisten; in den neuen Bildern greifen sie zu bösen Pillen und Pulvern, überschreiten allerlei Grenzen und blicken dabei weiter bloß sinnierend drein.

Wie auch in der Vergangenheit beziehen Muntean/Rosenblum die bedeutungsvollen Gesten ihrer Figuren aus der klassischen Malerei. Häufig sieht man Körper stürzen, ins Leere greifen oder sich aufbäumen. Warme Farben werden gegen kalte gesetzt, wobei es nicht an kunsthistorischen Referenzen fehlt.

Zum Memento mori ermahnt ein Raum mit Zeichnungen, in denen Gevatter Tod dargestellt ist, sowie schnelle Mittel in seine Arme, etwa Kokain oder eine Schlinge. Eine andere Serie porträtiert gedankenverlorene junge Menschen, die mit zusammengestückelten Sätzen aus Zeitungen kombiniert werden.

So weit, so bekannt. Ein neues Motiv stellt Schlachtenszenen von Demonstrationen dar, in denen Uniformierte die Sneakerträger gefangennehmen. Eine junge Frau liegt da in den Armen eines Straßenkämpfers wie Jesus nach der Kreuzabnahme. Den Künstlern scheint es einerlei, wobei ihre Figuren scheitern – Hauptsache, sie kommen unter einer übermächtigen Kraft zu Fall. NS

Galerie Georg Kargl, bis 14.8.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige