Theater Kritik

Wienerwald ist immer: Horvath in Oberzeiring

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 31/10 vom 04.08.2010

Und noch einmal die Sommertheaterfrage. In Oberzeiring lautet die Antwort bekanntlich: Theater „ja“, aber kein sommerliches. Diesmal also Ödön v. Horvaths „Geschichten aus dem Wienerwald“. Definitiv kein Komödienkracher, obwohl die wein- und wienseligen „Geschichten“ als Lustspiel getarnt sind, in dem sich alles fügt wie am Schnürchen – nur dass sich hier die Menschen einem vermeintlichen „Schicksal“ zu fügen haben. Und nicht umgekehrt. Horvaths Mikroskop ist zwar auf die Vorwehen der NS-Diktatur gerichtet, aber das Liebesunglück der Klein- und Kleinstbürger bleibt ein zeitloser, oft und gern gespielter Stoff.

Und da man in Oberzeiring eine Art Stadttheater am Land ist, wie Regisseur und Theaterleiter Peter Fasshuber betont, bleibt man dem Kanon genauso verpflichtet wie regelmäßigen Uraufführungen. Zugleich ist das THEO ein Familienbetrieb: Fasshubers Tochter Julia gibt diesmal die weibliche Hauptrolle – nicht gretchenhaft verheult übrigens, sondern mit einer guten Portion jugendlichem Trotz. Gemeinsam mit dem überzeugenden Ensemble (Helga Küpper, Sigrid Sattler, Melanie Katja Schneider, Christian Elgner, Gerhard Maier. Dirk Küpper und Hans T. Hafner) agiert sie an und auf einer Bühne, die mit kariertem Tischtuch bedeckt als Festtafel fungiert. Und als Laufsteg der Horwath’schen Unannehmlichkeiten.

Im Zentrum des Geschehens thront Falter-Mitarbeiter Gregor Schenker alias Favela Gold. Als schauspielerisch versierter DJ und Musiker mischt er bedrohliche Klänge zwischen Schlager und Wienerlied. Abseits echter Leberkässemmeln und zünftig präsentierter Dekolletees wächst die Erkenntnis: Horvaths Wienerwald ist immer und überall.

THEO Theater Oberzeiring, Sa, Di 20.00


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