Kommentar

Keynes zahlt sich in der Krise aus: Und danke, Bruno Kreisky!

Arbeitslosigkeit

Falter & Meinung | Julia Ortner | aus FALTER 31/10 vom 04.08.2010

Zumindest in einer Disziplin sind wir Europameister: bei den Arbeitslosen. Österreich verzeichnete im Juni mit 3,9 Prozent EU-weit die niedrigste Rate an Beschäftigungslosen – im Gegensatz zum Rest Europas, in dem die Rate bei 9,6 Prozent lag. Jetzt, Ende Juli, ist die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,9 Prozent oder 20.728 Personen auf 211.659 zurückgegangen.

Für Jubelchöre zu Ehren Werner Faymanns und Josef Prölls ist es zu früh. Aber es zeigt sich doch, dass wenigstens ein Großprojekt des undynamischen Duos zum Erfolg für die Volkswirtschaft führt. Die Konjunkturpakete der Regierung waren zwar doppelt so umfangreich wie im Durchschnitt der anderen EU-Länder und erhöhen das Budgetdefizit ordentlich – sie haben aber auch dafür gesorgt, dass die geringe Arbeitslosigkeit im Land nicht so hoch angestiegen ist wie befürchtet.

Dafür hat sich auch die ÖVP auf eine vernünftige Wirtschaftspolitik eingelassen, die sich an dem Nationalökonomen John Maynard Keynes orientiert. Mit einem gezielten Einsatz des Staatshaushaltes während der Krise, um Arbeitsplätze zu schaffen und die Konjunktur zu beleben. Pröll wusste: Wolfgang Schüssels neoliberales Credo „Mehr Privat, weniger Staat“ würde nicht funktionieren.

Die Regierung sollte sich für ihre schöne Arbeitslosenstatistik auch bei Bruno Kreisky bedanken. Der SPÖ-Kanzler erfand den Austrokeynesianismus, der die Staatsschulden in die Höhe trieb, aber Grundlage für die niedrigsten Arbeitslosenzahlen der Zweiten Republik war. Bis heute profitiert das Land also auch in dieser Hinsicht vom „Schuldenkönig“, wie ihn die Konservativen gerne nennen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige