Am Apparat

Darf eine einzige Anrainerin alles verhindern, Frau Wessely?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 31/10 vom 04.08.2010

Herta Wessely ist die Galionsfigur der Wiener Bürgerinitiativen und leitet die Protestplattform „Aktion 21“. Was hält sie davon, wenn eine einzelne Person plötzlich ein gesamtes Projekt blockiert? Das passierte jüngst am Donaukanal, wo eine Anrainerin die Eröffnung des Tel Aviv Beach verhindern wollte. Nach monatelangem Streit durfte das Strandlokal nun doch aufsperren.

Frau Wessely, am Tel Aviv Beach wurde lange herumgestritten. Ist es in Ordnung, dass eine Person ein ganzes Projekt gefährdet?

Das Problem ist, dass die Betroffenen bei der Planung von Projekten viel zu wenig einbezogen werden. Wenn man das rechtzeitig kundtut und mit den Anrainern spricht, kann man sich vielleicht schon im Vorfeld diesen Ärger erspart.

Aber ist jeder Bürgerprotest angebracht? Wo ist die Grenze, wo jemand vom Anrainer zum Querulanten wird?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine einzelne Person ein Projekt verhindern kann. Dafür ist man zu schwach. Aber nun haben die Tel-Aviv-Betreiber Geld in eine gute Musikanlage investiert. Das ist doch eine vernünftige Maßnahme. Lärmbelästigung bis in die Nacht ist wirklich nicht etwas, worüber man sich freut.

Sind manche Menschen vielleicht zu empfindlich?

Die spezielle Situation am Donaukanal kenne ich nicht. Generell haben wir das Problem, dass die Anrainer zu spät informiert werden. Wie zum Beispiel im Bacherpark: Da wurde sehr lange eine Garage geplant. Aber erst nach der Besetzung des Parks wurden die Bürger befragt. Die lehnten die Garage ab, und die Stadt musste dem Projektbetreiber 420.000 Euro an Planungskosten ersetzen. Das hätte man sich sparen können.

Und was macht man, wenn manche Menschen einfach renitent sind und jedes Lokal in ihrer Nähe ablehnen?

Na ja, mit so einem Verhalten wird man wohl keinen Erfolg haben. Das geht dann einfach nicht durch.

Interview: Ingrid Brodnig


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