Nachgetragen

Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Politik | aus FALTER 31/10 vom 04.08.2010

Ein Mann wird von Maden zerfressen – und niemand bemerkte es

Vera Bandion

Vor der Wohnungstür des Verstorbenen liegen rote und gelbe Rosen, eine Trauerkarte klebt an der Tür. Zwei Tage nach dem Tod des 61-jährigen Mannes sind vor allem die grausigen Umstände Gesprächsthema im Otto-Haas-Hof in der Brigittenau: Vergangenen Dienstag stirbt der bettlägerige Bewohner an Herz-Kreislaufversagen. Der Rücken des Mannes ist von Fliegenmaden zerfressen.

Die Wohnung ist schmutzig und es stinkt. Die 34-jährige Freundin des Mannes war mit dessen Pflege überfordert. Sie sagt, sie habe die Maden nicht bemerkt. Eine Heimhilfe hatte das Paar abgelehnt.

Im großen Innenhof ist nach dem Leichenfund viel los. Die Bewohner hier kennen einander, grüßen jeden und unterhalten sich auf den Bänken in der Sonne. „Ich habe ihn nie gesehen, nur die Freundin ab und zu im Lift getroffen“, erzählt eine ältere Frau. Die Freundin des Mannes kennen alle – aber nur vom Sehen. „Die hat mit fast niemandem


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