Enthusiasmuskolumne

Lummerland, die Insel der Seligen

Diesmal: Der beste 50-jährige Bub der Welt der Woche

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 31/10 vom 04.08.2010

In Ungarn ist er als Gombos Jim bekannt, in Polen heißt er Kuba Guzik. Nein? Sein italienischer Name lautet Jim Bottone. Richtig, der kleine schwarze Bub mit den Kulleraugen ist gemeint. Und der feiert am 9. August seinen 50. Geburtstag. Happy Birthday, Jim Knopf!

Jim und sein Freund Lukas, der Lokomotivführer, die zusammen mit dem auch in Prä-Handy-Zeiten schon dauertelefonierenden König Alfons dem Viertel-vor-Zwölften, der mütterlichen Lebensmittelhändlerin Frau Waas und einem Spaziergänger namens Herr Ärmel die winzige Insel Lummerland bewohnen, sind dank der Verfilmung durch die Augsburger Puppenkiste, Hörspiele und zahlreiche Bilderbuchableger ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Aber taugt Michael Endes Schöpfung heute noch als Kinderbuch?

Der Thienemann Verlag, wo „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ zuerst erschienen ist, bringt nicht nur diesen Klassiker in einer schönen Neuauflage heraus. Sogar neue Bücher erscheinen. Die führen am Cover zwar keck den 1995 verstorbenen Ende als Autor an, stammen in Wirklichkeit aber von Beate Dölling. Schlimm ist der Etikettenschwindel nicht: „Alles Gute zum Geburtstag, Jim Knopf!“ als Kinderbuch für die Kleinsten und „Jim Knopf findet’s raus!“ als episodenhaftes Wissensbuch für Abc-Schützen bleiben dem Charme des Originals erstaunlich treu, wurden lediglich sanft modernisiert.

Ein bisschen harmlos lesen sich Jims gefahrenfreie Heile-Welt-Abenteuer heute, aber das macht nichts. In einer radikalen Neufassung müsste Jim – der als Baby in einem rätselhaft adressierten Paket nach Lummerland gelangte – wohl die Ausweisung aus seinem kleinen Paradies durch Innenministerin Mi Zi fürchten. Brrr!

Zu seinen didaktischen Absichten befragt, hat sich Michael Ende übrigens einmal so geäußert: „Gar nichts“ wolle er dem Leser mit seinem dunkelhäutigen Helden sagen. „Ich habe das Buch geschrieben, das ich als Kind selber gern gelesen hätte, punktum.“


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige