Fußball

Der verlorene Sohn von Sankt Hanappi

Glosse

Stadtleben | aus FALTER 31/10 vom 04.08.2010

Wolfgang Kralicek über das Treiben auf und neben dem Spielfeld

Der neue Rapid-Mittelfeldspieler Christoph Saurer hat gegen Red Bull Salzburg sein erstes Tor geschossen. Das könnte seine Integration beschleunigen. Der junge Mann hatte in den letzten Wochen einen Keil in den Rapidanhang getrieben; er wurde (und wird) vom ganz harten Kern auf der Westtribüne ausgepfiffen, bei einem Testspiel wurde er von einem Fan sogar körperlich attackiert. Grund: Der zuletzt beim Lask engagierte Saurer absolvierte die Stronach-Akademie in Hollabrunn und hat 2007 (!) vier (!!) Spiele für die Austria bestritten. Auch dem Rapidtrainer Peter Pacult wird von starrsinnigen Fans immer noch vorgeworfen, dass er am Ende seiner Karriere ein Jahr bei der Austria kickte. Der romantische Gedanke der Vereinstreue verkehrt sich in derartig fanatischer Auslegung in ein besonders absurdes Beispiel von Intoleranz. Dabei sollte man gerade an einem quasi religiösen Ort wie Sankt Hanappi barmherzig mit verlorenen Söhnen sein, die zum rechten Glauben gefunden haben.


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