Selbstversuch

Ich weiß, dass man das nicht tut

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 31/10 vom 04.08.2010

Wie der Lange mit den Kindern vom Winnetou zurückgekommen ist, war es dann gut, dass das Essen schon auf dem Tisch stand. Es war allerdings wieder nicht so gut, weil das Essen war sicherheitshalber schon seit einiger Zeit fertig gewesen und hatte darunter etwas gelitten. Nicht sehr, nur ein wenig, und das war eigentlich auch schon wurscht, denn es ist natürlich von vornherein ein Fehler, einem Mann, der gerade drei Stunden auf einer harten Holzbank in der Sonne gesessen und erwachsenen Männern beim Indianerspielen zugesehen hat, ein Mädchenessen zu kochen, also eines ohne Fleisch. Das tut man nicht, ich weiß eh, aber die Zucchini müssen nun mal weg.

Die Frau Kaufhausbesitzerin, die später am Tisch vom Horwath saß (der sicherheitshalber ebenfalls gedeckt gewesen war, weil der Horwath war mit dem Langen beim Winnetou gewesen und analoger Laune), die Frau Kaufhausbesitzerin also fragte, worüber ich eigentlich schreiben würde, wenn ich kein Landhaus hätte. Naja, darüber, dass ich kein Landhaus hätte, ist doch logisch. Der Abend war lau. Die Kinder bewarfen einander mit unreifen Äpfeln und brachen periodisch in lautes Wehgeschrei aus. Ich weiß nicht, was es beim Horwath zu essen gab, aber es hat auch seine Laune nicht gehoben, denn als die Doktor Urban, die mit ihrer Brut auch da war, sich vor ihrer Abreise ein paar CDs ausborgen wollte, sagte der Horwath etwas, was der Horwath m. A. viel zu selten sagt, er sagte: Nein. Was die Urban, die den Horwath schon gut zwei Jahrzehnte kennt, natürlich nicht glaubte und zu einer Argumentation anhub, aber der Horwath blieb dabei: Nein, sagte der Horwath, die CDs bleiben da.

Das hab ich gern gehört, nicht nur, weil ich dem Horwath diese CDs gebrannt hatte, sondern auch, weil es für eine ständig überforderte Lusche wie mich sehr befriedigend ist, dass auch der Horwath einmal überfordert ist. Auch wenn das, anders als bei mir, erst der Fall ist, wenn der Horwath drei sehr aktive Familien in seinem Haus zu Gast hat und ein mutterloses Extra-Gastkind und wenn die Horwathin sich gerade anschickt, für die nächsten Tage nach Wien zu fahren, um dort fremde Menschen zu heilen, baba, Schatz. Die Urban sagte, ja, wenn eh ich sie ihm überspielt habe, kann ich ja nachher hinüber in mein Haus gehen und sie ihm nochmals überspielen, und sie nimmt jetzt seine. Der Horwath, über die Landesgrenzen hinaus bekannt für seine Belastbar-, Großzügig- und Freigebigkeit, sagte: NEIN!

Ich habe den Horwath noch nie so entschieden Nein sagen gehört, und die Urban auch nicht, denn sie gab mit so einem Aber-hallo-was-ist-jetzt-mit-dem!-Blick auf, und ich fand, dass es dann mal Zeit sei, meine Kinder einzufangen und Meter zu machen: Danke für den Wein, Horwath, schönen Abend noch! Wie wir wieder heimkamen, stand der Lange in der Küche und aß ein dickes, fettes Speckbrot mit Pfefferoni. Dem ging es danach dann auch besser.


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