Kunst Kritik

Feingepinselte Figuren auf expressivem Grund

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 32/10 vom 11.08.2010

Mindestens zwei Ebenen haben die Malereien von Bruno Wildbach. Eine abstrakte zunächst und dann, in einem zweiten Schritt partiell darüber gelegt, eine figürliche. Seine mit deutlich feinerem Pinsel gegenständlich gemalten Motive entnimmt Wildbach unterschiedlichsten Kontexten, die er neu zu Szenen arrangiert. Wie „contra“, Titel seiner Ausstellung in der Galerie artepari, andeutet, geraten dabei abstrakter Hintergrund und Bildmotiv in feinsinnige Auseinandersetzung, bevor sie in etwas Drittem aufgehen. Selten scheint das Figürliche der rein abstrakten Komposition aufgezwungen. Als hätten die abstrakten Chiffren, Gesten, Farb- und Pinselspuren das jeweilig in sie hineinmontierte Motiv geradezu herausgefordert. So versetzt er Filmszenen, Fotos seiner Freunde, eigene und fremde Erinnerungen in eine bewegte Welt expressiver Farbräume, die meist auch über Andeutungen einer Szenerie verfügen oder als Landschaft deutbar werden. Der B-29 Bomber, der Hiroshima in Schutt und Asche legte, steht derart im leuchtendsten Gelb, das sich gar auch über ihn legt, ihn hineinzieht in den gefährlichsten aller Dünste, während Joe Strummer, der Gittarist von The Clash, in einem recht pastos gemalten Umfeld musiziert, in bräunlich dunkler Struktur nebst einem Fleckchen rot und grün. Wildbachs Cousins messen sich, ein Kräftefeld aus Farbrinnspuren zwischen ihnen, beim Armdrücken, eine Sennerin weidet ihre Kühe auf psychedelisch bunt aufgewühlter Alm, Kleiderpuppen und eine davon merklich abgesetzte, kopflose Frau bevölkern den unteren Bildrand einer auf Blech gemalten, von Spritzern und Schlieren belebten, dabei denkbar kühlen Atmosphäre. Das bietet genug Stoff, eigene Bedeutungen, wenn nicht Geschichten aus der Malerei herauszulesen.

artepari, bis 15.9.


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