Gentlemen-Rocker mit Herzzerreiß-Potenzial

Steiermark | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 32/10 vom 11.08.2010

You’d never believe the shitty thoughts I think", singt Matt Berninger. Dabei lassen die Mannen der US-Indie-Rockband „The National" nicht unverzüglich an shitty thoughts denken: Sie ziehen sich gern Sakkos über und wirken wie verschmitzte Buben, die ernst dreinschauen, sich dafür aber ganz schön beherrschen müssen. Auch musikalisch kommen The National, die Reminiszenzen an Tom Waits, Bruce Springsteen und die Tindersticks aufkommen lassen, sehr zurückgenommen daher. Wohl auch deshalb war die Band schon lang ein Kritikerliebling, bevor ein breiteres Publikum sie entdeckte.

Spätestens seit ihrem 2007 erschienenen Album „Boxer" ist das aber gegessen. Den Song „Fake Empire" griff gar Barack Obama für seinen Wahlkampf auf. Der britische Guardian schwärmt über die „herzzerreißendsten Songs, die man überhaupt hören kann", die New York Times bot ihren Lesern das jüngste Album „High Violet" zum Download an. Neben Berningers Stimme zählen die Texte zu den großen Assets der Band. Es geht um Einsamkeit und Schweigen, wobei The National starke Bilder finden:

„It’s a terrible love that I’m walking with spiders". Klingt schwer, aber da ist ja auch noch der Humor. Berninger singt gern mit einem Weinglas in der Hand, wenn er es ganz wild krachen lässt, dreht er sich einmal um die eigene Achse. Mitsamt dem Glas!

Kasematten, Di 17.50


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