Kommentar

Die Ignoranz der Politik und die Rückkehr der Audimaxisten

Hochschulen

Falter & Meinung | Ingrid Brodnig | aus FALTER 32/10 vom 11.08.2010

Die Ignoranz der Regierung ist beeindruckend. Vergangenen Herbst hielten Studierende wochenlang das Audimax besetzt, um auf die Not an den krankgesparten Unis hinzuweisen. Der Protest wurde damals kleingeredet, die Audimaxisten lächerlich gemacht. Dabei war die Kritik der Demonstranten berechtigt.

Nun will die Politik das Hochschulbudget einfrieren, de facto sinkt es sogar. Die Boku fürchtet um ihre Liquidität, die Rektoren kündigen an, 3000 Lehrende entlassen zu müssen. Und Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) will gleichzeitig den Ausbau der Fachhochschulen stoppen. Aus Spargründen. Ist das die richtige Antwort auf die Krise?

Voriges Jahr hörte sich das noch ganz anders an. Da spielte sich Karls Parteichef Josef Pröll als Retter der Nation auf. In seiner Budgetrede erklärte der Finanzminister: „Für Wissenschaft und Forschung wird es mehr Geld geben.“ Die Investition in Bildung sei ein „unverzichtbarer Treibstoff“ für Österreichs Konjunktur.

Jetzt ist dieser „Treibstoff“ nicht mehr so wichtig. Kein Wunder, dass die Studenten wieder wütend werden. Die Plattform „Uni brennt“ kündigt erneut Demonstrationen an. Bleibt zu hoffen, dass die Studierenden das tatsächlich durchziehen – obwohl der letzte Protest zermürbend war. All die Wochen im Hörsaal, die Großdemonstrationen und das Medienecho haben letztlich nichts bewirkt.

Gerade weil die Hochschulprobleme nicht ansatzweise gelöst wurden, ist eine Debatte nun unausweichlich. Die Unis brauchen mehr Geld, vor allem aber benötigen sie eine Strategie. Im einen Jahr von „unverzichtbarem Treibstoff“ zu sprechen und im nächsten Jahr den Zapfhahn zuzudrehen kann nicht die Antwort sein.


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