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Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 32/10 vom 11.08.2010

Wie man zum Mann wird

„Die Türkei ist eine kriegerische Gesellschaft“, sagt die Soziologin Pinar Selek. Zumindest für die Zeit des verpflichtenden Militärdienstes stimmt das. Mit 58 Türken aus verschiedensten sozialen Schichten unterhielt sich Selek für ihr neues Buch über den Dienst an der Waffe. Dabei schlüsselt sie auf, inwieweit diese Zeit die Identitätsbildung der Männer beeinflusst hat. Laut Selek bildet schon die Beschneidung den Grundstein für die Geschlechterrollen. Der Kult um den Penis und die damit verknüpfte Männlichkeit sichere dem Jungen eine dominante Stellung in der Gesellschaft. Der Wehrdienst soll die Rolle als Patriarch der Familie und Verteidiger des Staats weiter zementieren. Seleks Buch präsentiert jedoch nicht nur eine spannende Studie über das Mannwerden in der Türkei. Es zeigt auch, wie patriarchale Gesellschaften funktionieren und wo man einhaken müsste, um sie zu verändern. Marion Bachner

Pinar Selek: Zum Mann gehätschelt. Zum Mann gedrillt.


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