Nachgetragen

Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Politik | aus FALTER 32/10 vom 11.08.2010

Tony Judt ist tot. Erinnerungen an ein Universalgenie

Florian Klenk

Einmal durfte ich mit ihm Squaredance tanzen. Das war in Texas im Jahr 2004. Der große britische Historiker Tony Judt, 62, lud wieder einmal zu seinem alljährlichen „Remarque-Forum“. Namens der New York University versammelte er Journalisten, Politiker, Sozialarbeiter und Banker aus aller Welt auf einer texanischen Ranch, um über die Zukunft der Welt zu parlieren – und abends zu tanzen. Im Jahr darauf lud er alle nach Österreich, wo Judt einige Jahre forschte. Es entstand ein Netzwerk von Intellektuellen, das auch heute noch via E-Mail-Verteiler über die großen und kleinen Weltprobleme diskutiert.

Auch Judt schrieb bis zuletzt in diesem Forum, humorvoll und stets wissbegierig, obwohl ihn eine Nervenkrankheit so lähmte, dass er sich nur noch als „denkendes Bündel toter Muskeln“ fühlte.

Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass Judt, der ehemalige linke Zionist und spätere Israel-Kritiker, einer der beeindruckendsten


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