Mediaforschung

Wollen Sie uns vor der Natur Angst machen, Herr Holcmann?

Nachfragekolumne

Medien | Matthias Writze | aus FALTER 32/10 vom 11.08.2010

Die Zeiten, als Feelgood-Spots mit niedlichen Tieren und hübschen Blumen als Naturschutzaufruf gereicht haben, sind vorbei. In der WWF-Kampagne „Die Au schlägt zurück“ zum Schutz der March-Thaya-Auen geht es heftiger zu: Frösche kriechen unter die Bettdecke. Efeu wächst ums Kinderbett. Eltern flüchten mit ihrem Kind panisch aus ihrer Wohnung. In Sekunden sind Hochhäuser überwuchert und Störche nisten vorm Riesenrad. Dazu wummert ein nervöser elektronischer Bass. Hier besetzen nicht die Wiener die Au, sondern die Au Wien. Ergänzt wird die Kampagne von Plakaten, aus denen Efeuranken scheinbar hervorbrechen, und Radiospots, die vor Verkehrsbehinderungen durch Biberdämme warnen.

Der Spot erinnert an einen Trailer für einen Katastrophenfilm wie „The Day after Tomorrow“ oder „2012“ – einen Aufruf zum Umweltschutz kann man daraus nicht sofort ableiten. „Stellen Sie sich vor, die Natur würde mit uns machen, was wir mit ihr machen“, erklärt Paul Holcmann von Springer & Jacoby das Konzept hinter dem Spot. Dass nicht jeder die Aussage der Werbung sofort versteht, ist dabei geplant. „Wir wollen ja nicht einfach ein Produkt verkaufen. Wir wollen die Leute auf die Homepage www.die-au.at locken, und sei es nur, um herauszufinden, was die Werbung überhaupt soll“, sagt Holcmann. Das hat ganz pragmatische Gründe: Sobald man die Seite aufruft, poppt ein Fenster auf, das zum Unterschreiben für ein Naturschutzgebiet in den March-Thaya-Auen aufruft.

„Für die Wiener sind March und Thaya einfach irgendwo weit im Osten“, sagt Holcmann. „Da muss man schon eine gewisse Lautstärke erreichen, um wahrgenommen zu werden.“ Das Ziel ist erreicht: Das postapokalyptische Wien schlägt die Naturidylle aus alten Spots um Längen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige