Das Drama des genialen Dilettanten

Feuilleton | aus FALTER 32/10 vom 11.08.2010

Warum der Tiroler Künstler Heinrich Kühn erst jetzt als Klassiker der Moderne entdeckt wird

Nachforschungen: Matthias Dusini

Das weißgekleidete Mädchen schwebt in der Finsternis wie Kirschblüten im Mondlicht. Der Schatten des breiten Hutes fällt auf ihr Gesicht, ihre Schulter schält sich aus dem Stoff. Heinrich Kühns „Tonwertstudie III“ (1908) ist ein Bild des Begehrens – und ein cooles Bildkonzept.

Die Albertina zeigt in einer großartigen Ausstellung einen vergessenen Künstler des Fin de Siècle. In den USA gehören Alfred Stieglitz (1864–1946) und Edward Steichen (1879–1973) zum Kanon der Kunstgeschichte, ihre Porträts und Landschaften sind Teil der nationalen Ikonografie. Das Werk ihres Innsbrucker Freundes und Vorbilds Heinrich Kühn (1866–1944) tauchte bisher nur in den Fußnoten der Literatur zur Wiener Secession auf. Auf dem Kunstmarkt bringen Kühns ein Hundertstel der Werke von Stieglitz ein.

Dabei könnten seine Ansichten nächtlicher Gassen in Innsbruck durchaus


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