Täglicher Terror des Intimen

Feuilleton | aus FALTER 32/10 vom 11.08.2010

Meischbergers Tagebuch: was man glauben soll und was man wissen kann

Essay: Arno Dusini

Als der Falter dieser Tage die Aufzeichnungen des noch Tagebuch führenden ehemaligen FPÖ-Politikers Walter Meischberger publizierte, sah sich – in einem scheinbar spontanen Reflex – der aktive Politiker Uwe Scheuch (FPK) dazu veranlasst, an die Fälschung der Tagebücher Adolf Hitlers zu erinnern.

Die Parallelisierung der beiden „Tagebuch-Führer“ Hitler und Meischberger ist frappierend, nicht nur, weil sie eine Martialisierung des Sprechens kenntlich macht. Bekanntlich hat Hitler seine Tagebücher weder selbst geschrieben noch selbst gefälscht. Wer hätte Meischbergers Tagebücher gefälscht? Posthum? Er selbst?

Die Affäre um die durch den Kunstmaler Konrad Kujau gefälschten „Hitler-Tagebücher“ liegt Jahrzehnte zurück. Im April 1983 veröffentlichte die Zeitschrift Stern einen ersten Abdruck, kaum einen Monat später wurde die Sache als Schwindel aufgedeckt. Dass es im Licht der damaligen


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