Wenn Sie sich jetzt bitte freimachen würden

Feuilleton | aus FALTER 32/10 vom 11.08.2010

Mit ihrem Debüt „Fliegengewicht“ gelingt der Österreicherin Anna-Elisabeth Mayer der etwas andere Arztroman

Buchkritik: Klaus Nüchtern

Dass sich Damen im fortgeschrittenen Alter sehr undamenhaft benehmen können, weiß man aus Werner Schwabs hochkomischem und saubrutalem Debüt „Präsidentinnen“. In Anna-Elisabeth Mayers Debüt „Fliegengewicht“, einem Prosakammerspiel im Krankenzimmer, geht es wesentlich leiser und naturgemäß gedämpfter zu – immerhin haben’s alle Insassinnen am Herzen. An Eifersüchteleien und Boshaftigkeiten herrscht aber auch unter Frau Ott, Frau Blaser und Frau Ferdinand kein Mangel.

Erweitert wird das Damendreieck um die Ich-Erzählerin, die mit freundlicher Herablassung als „Küken“ bezeichnet und sehr schnell zur Projektions- und Stellvertreterfigur des ungleichen Triumfeminats wird – insbesondere in Hinblick auf Dr. Winter, den Gott in Weiß, dessen Tun penibel registriert und kommentiert wird.

Zum Horror der nicht ganz so guten Deutschlehrer


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