Das Gefühl, Künstler zu sein

Stadtleben | aus FALTER 32/10 vom 11.08.2010

Meischbergers Moleskine: Abgesang auf einen Fetisch der kreativen Klasse

Stilkritik: Matthias Dusini

Der ehemalige FPÖ-Politiker Walter Meischberger verwendete für sein Tagebuch Notizbücher der Marke Moleskine, ein Stilbruch zu seinem sonstigen Outfit. Moleskine steht für die postalternative Weltgewandtheit der letzten Jahrhundertwende; seine Verwandten sind die Zeitschrift Monopol und die Freitag-Taschen. Was dem linken Intellektuellen der 80er-Jahre der rote Schal, war dem Konsumbürger des Fin de Siècle 2.0 sein Moleskine.

Modemäßig ist Meischberger dem Dresscode der jungen Rechtspopulisten um Jörg Haider Anfang der 90er-Jahre bis heute treu. Typisch war eine Kombination aus Jeans, aufgeknöpftem Hemd und Halbschuhschlüpfern, die stete Freizeitbereitschaft signalisierte. Zur Ausstattung gehörte ein damals noch teures Mobiltelefon. So wie sich die „Buberln“ mit ihrer legeren Kleindung von den spießigen Beamten und „Altparteien“ abgrenzen wollten, signalisierten sie auch


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