Fragen Sie Frau Andrea

Da steppt der Bär, da pfeifen die Komantschen

Kolumnen | aus FALTER 32/10 vom 11.08.2010

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

gelegentlich höre ich die Aussprüche „Da steppt der Bär“ und „Da pfeifen die Komantschen“. Es fällt mir schwer zu erkennen, in welchem Zusammenhang sie angebracht und passend sind. Andererseits gefallen sie mir irgendwie in ihrer offensichtlichen Unsinnigkeit. Der zweitere Ausspruch wird gerne einem bekannten Ex-Sportler und TV-„Star“ zugeschrieben, mit dem ich mich nicht unbedingt verbünden möchte. Wenn diese Sprüche nicht dadaistische Unsinnpoesie sind, was sind sie dann? Wissen Sie etwas über ihre „Erfinder“ bzw. ihren Ursprung? Abhängig von Ihrer Antwort überlege ich mir dann, sie in meinen Sprachgebrauch aufzunehmen.

mdgsdi (habe ich mir übrigens von Ihnen abgeschaut)

Gerhard Schlögl, per Elektropost

Lieber Gerhard,

für das Aufspüren neuer Sinnzusammenhänge und das Erfinden von semantischen Formeln sind die Dichter zuständig. Geheimrat Goethe häufte auf diesem Gebiet ganze Halden an Einzeilern an. In Aphorismensammlungen werden seine und die Sprüche anderer Gedankenturner verwaltet. Nur mehr wenige befinden sich in Zirkulation, als bekanntestes gilt das Zitat aus „Götz von Berlichingen“.

Schwieriger wird die Zuordnung der Autorenschaft bei modernerem poetischem Material. Bis die Germanisten sich durch Quellenmaterial geackert haben, vergehen Jahrzehnte. Für die Grußformel „mdgsdi“ möchten Sie sich nicht bei mir bedanken, sondern bei Kollegen Klaus Nüchtern, er hat sie erfunden und in Umlauf gebracht – ich habe darüber nur berichtet. Hier entdecken wir schon eine Eigenart des Genres. Oft wird der Überbringer für den Autor gehalten. Möglicherweise gilt dies auch für Armin Assingers Spruch vom Pfeifen der Komantschen. Der Ex-Skirennläufer prägte dieses Hörbild im Zusammenhang mit dem Brennen der Schenkel bei langen Abfahrten. „Da steppt der Bär“ (für Rambazamba) ist Berliner Schnauze und kommt vermutlich aus der Werkstatt des legendären Synchronsprechers Rainer Brandt, der Bud Spencer, Terence Hill, Adriano Celentano und der Serie „Die Zwei“ dadapoetische Schnoddrigkeit verlieh. Brandt erfand Sprüche wie: „Da steigen ja die Dohlen hoch“, „Da wiehert der Amtsschimmel“, „Da kommen die Läuse in Panik“ und „Hussa, hier springt der Hirsch!“.


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