Neu im Kino

Hoch die Schrullen! „Vorsicht Sehnsucht“

Lexikon | aus FALTER 33/10 vom 18.08.2010

Es ist nämlich so: Georges (André Dussollier) hat die Geldbörse gefunden, die Marguerite (Sabine Azéma) gestohlen worden ist. Und da hat er sich unsterblich in die Fremde verliebt und begonnen, ihr nachzustellen, bis ihn in einer ausgesprochen lustigen Szene zwei Gendarmen besuchen und inständig bitten, sich doch zu benehmen.

Gemordet hat Georges womöglich auch schon einmal, aber nix Genaues weiß man nicht. Wer Rätsel lösen will, soll sich lieber „Inception“ anschauen, nicht „Vorsicht Sehnsucht“ (im Original: „Les Herbes folles“) vom 88-jährigen Kinoabenteurer Alain Resnais: Dessen narrative Tunnelsysteme und formale Versuchsanordnungen führen seit jeher stringent ins Ungewisse.

Der verschmitzte Schrullenmodernismus, den Resnais in einer Reihe von Arbeiten seit „Providence“ (1977) kultiviert hat, wuchert in dieser Adaption eines Romans von Christian Gailly so heiter vor sich hin wie die Gräser, die in den eröffnenden Einstellungen durch den Beton greifen: Die Kamera tänzelt, der Schnitt hat Schluckauf, Farbflächen machen sich wichtig, und Azéma trägt Pumucklfrisur und Dompteursmantel. Ein Spaß. JS

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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