Ohren auf

Jesuspunks, R’n’B-Gören und andere Diven

Sammelkritik

Lexikon | Gerhard Stöger | aus FALTER 33/10 vom 18.08.2010

Man kennt sie als Ulknudel vom Dienst, als DDR-Kinderstar, Puppenkistenpunk, Masturbationsexpertin, intergalaktische Botschafterin, als jugendlichste 55-Jährige des deutschen Pop. Auf „Personal Jesus“ (Koch) schlüpft Nina Hagen in eine neue Rolle: Sie lobt und preist in 13 Liedern den Herrn, wobei sie nichts hält von katholischen Leidensgesten, sondern wahlweise gospelmäßig aus dem Vollen schöpft oder zu Countryklängen Abbitte tut. Das klappt in den besseren Momenten der Platte ganz gut, verkommt letztlich aber doch allzu oft zu überdrehtem Hagen-Klamauk.

Neue Töne schlägt auch die amerikanische R’n’B-Sängerin Kelis an, die sich mindestens so gut auf Extravaganzen und Extraterrestrisches versteht wie Nina Hagen, in ihrer selbstbewussten Mischung aus Görenhaftigkeit und Diventum aber deren Peinlichkeiten auszulassen versteht. Kelis’ Stimme ist auf „Fleshtone“ (Interscope) immer noch kühl, rau, anregend; die Hip-Hop-Wurzeln ihrer Musik wurden aber kurzerhand gekappt


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