Ausstellung Kritik

Vom Naziland nach Hollywood

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 33/10 vom 18.08.2010

Kurt Neumann (1902–1984) hat einiges durchgemacht und unter einen Hut gebracht in seinem Leben. In der Zwischenkriegszeit war er, zusammen etwa mit dem Grafiker Axl Leskoschek oder dem Architekten Herbert Eichholzer, im Widerstand aktiv, Mitglied des antifaschistischen Prenninger Kreises, der sich im Elternhaus von Neumanns erster Frau, Anny Feuerlöscher, traf, war Redakteur und zeitweilig auch stellvertretender Herausgeber der sozialdemokratischen Zeitung „Arbeiterwille“, die 1934 endgültig verboten wurde, nachdem sie nur noch als Postsendung verschickt werden durfte. 1934 wurde er inhaftiert und in die Emigration gedrängt, kam wieder, nur um 1938 neuerlich nach Frankreich flüchten zu müssen. Nach Kriegsbeginn als „feindlicher Ausländer“ in einem Lager in der Normandie interniert, schrieb er einen bislang unveröffentlichten Roman, dessen Hauptfigur, Peter Wendell, ganz offensichtlich auch Züge Herbert Eichholzers trägt.

Schließlich konnte er, mit zionistischer Unterstützung, aber als einziger Nicht-Jude am Schiff, nach Los Angeles emigrieren, wo er seine journalistische Karriere fortsetzte, nebenbei aber auch als Komparse in einigen Hollywoodfilmen mitspielte und an Drehbüchern zu Filmen wie „The Hitler Gang“ mitschrieb. Nach dem Krieg zog er es vor, in den USA zu bleiben, und war als Manager im Showbusiness, etwa für den Texas Boys Choir oder die Polish Dance Compagnie tätig. Im Landhaus Feuerlöscher, dem ehemaligen Treffpunkt des Prenninger Kreises und Sitz des Vereins „Prenninger Gespräche“, zeichnet die Ausstellung „Von Judenburg nach Hollywood“ Neumanns Leben an ausgewählten Zeitdokumenten, einem filmisch aufbereiteten Interview und Privatfotos nach. Letztere sind Kunstwerke für sich, muten wie Filmstills an.

Landhaus Feuerlöscher, bis 30.12.


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